Häufig kommen Eltern mit der Sorge, dass ihr Kind noch gar nicht oder nur einzelne Worte spricht, in meine Praxis.
Meist sind diese Kinder zwischen 2-3 Jahre alt und fallen durch fehlende sprachliche Äußerungen (manchmal auch durch auffällig manipulatives oder sprunghaftes Spielverhalten) auf. Auf Fragen antworten diese Kinder kaum oder gar nicht, einfache Anforderungen verstehen sie nicht und von selbst sprechen sie kaum oder gar nicht. Kinder die mit 2 Jahren einen aktiven Wortschatz unter 50 Wörtern haben oder keine Zweiwortäußerungen bilden können, sind sogenannte „Late Talker“ („Spätsprecher“).

Warum spricht mein Kind nicht?

Bei sonst physisch und mental gesunden Kindern, fehlt diesen meist die Erkenntnis, dass es nicht nur zu jedem Gegenstand eine passende Handlung gibt (z.B.: das Auto fahren zu lassen) sondern auch ein passendes Wort bzw. passende Wörter (z.B.: „Das Auto fährt schnell“, wenn es mit dem Auto auf dem Spielteppich fährt), aber auch die Erkenntnis, dass Sprache etwas beim Gegenüber bewirkt bzw. eine erwünschte Handlung auslöst, dass die Sprache des Kindes vom Gegenüber verstanden wird und Wünsche/Bedürfnisse geäußert werden können. Wenn Kindern diese Fähigkeiten nicht zugänglich sind, ist das Sprachverständnis (auch wenn nicht immer gleich erkennbar) gering bis kaum vorhanden und so finden sie keinen Anlass und keine Notwendigkeit sich sprachlich zu äußern.

Was soll ich tun, wenn mein Kind nicht spricht?

1. Wichtig sind sprachfördernde Grundsätze, die Eltern in meiner Praxis anhand von Beispielen erlernen und einhalten sollten, um eine Grundvoraussetzung für die normale Sprachentwicklung ihres Kindes zu ermöglichen.

2. Sollte ihr Kind mit 2 Jahren weniger als 50 Wörter aktiv sprechen, ist eine HNO-ärztliche Untersuchung des Gehörs empfehlenswert, um Hörstörungen auszuschließen.

3. Sind Hörtstörungen ausgeschlossen, ist eine logopädische Abklärung empfehlenswert. In 2-3 Diagnostikeinheiten kann der momentane Entwicklungsstand ihres Kindes erhoben werden und, entsprechend den Fähigkeiten und Defiziten, ein Behandlungsplan erstellt werden.

4. Logopädische Therapie zur Entdeckung der Sprache:
Ist logopädische Therapie notwendig, wird das therapeutisch gelenkte Spiel eingesetzt, um dem Kind die „Entdeckung der Sprache“ zu ermöglichen. Mittels Spielhandlungen, die den individuellen Interessen des Kindes entsprechen, wird Sprache quasi „zwingend“ gemacht, sodass das Kind erlernt, dass jeder Gegenstand und jede Handlung ein zugehöriges Wort/mehrere Wörter hat/haben (z.B.: „Tut tut – der Zug fährt los“, wenn es den Zug in einer Spielsequenz fahren lässt) und, dass es sich auf (vorerst meine) sprachlichen Äußerungen (bei einer Spielsequenz, in welcher mein Kommentieren dem Kind weiterhilft) verlassen kann (z.B.: mein Kommentieren mit „ja“ und „nein“ bei der kindlichen Entscheidungsfindung welche Öffnung der Formbox die Richtige ist für die jeweilige Form, die das Kind in der Hand hat).
Um die Erkenntnis, dass Sprache zum Ziel führt, auch aktiv zu entdecken, findet ein Rollentausch bei einem bereits gespielten Spiel statt und ich stelle eine Frage (z.B.: mit der Formbox „da?“, um nachzufragen, ob meine Form in diese bestimmte Öffnung passt oder: der Zug will losfahren, doch der von mir gelenkte Schranken ist zu und ich frage: „Auf?“, „Aufmachen?“). Mit dieser Frage wird das Kind aktiv zu einem Dialog eingeladen, merkt, dass auch seine Äußerung gefragt ist und kann nun meine vorherigen sprachlichen Äußerungen („ja“ und „nein“ beim Spielen mit der Formbox) als Schablone für seine eigenen sprachlichen Äußerungen verwenden.
So wird Schritt für Schritt in unterschiedlichen Spielsequenzen das Sprachverständnis des Kindes aufgebaut und gesichert und sprachliche Äußerungen evoziiert.
Nach jeder Therapieeinheit werden die Eltern über Schwierigkeiten und/oder Fortschritte aufgeklärt und angeleitet, gewisse Spielsequenzen der Therapie zuhause zu wiederholen.

Wann beginnt mein Kind zu sprechen?

Wenn ihr Kind bemerkt, dass Wörter eine Bedeutung haben und zu einer Person, zu einem Gegenstand oder einer Handlung gehören bzw. wenn es die Erkenntnis hat, dass Sprache benutzt werden kann, um etwas Erlebtes/Gesehenes mitzuteilen und seinen Willen/seine Bedürfnisse zu äußern.